Konzerte

“IN PARADISUM“  ein gemeinsames Projekt in Zusammenarbeit mit Matthias Loibner

inParadisumbild In der musikalischen Utopie inParadisum für Drehleier mit Elektronik und Gregorianischen Choral schärfen der vielgereiste Leiermann Matthias Loibner und die Wiener Choralschola unter der Leitung von Daniel Mair ihre individuellen und uralten christlichen Visionen vom irdischen und himmlischen Paradies aneinander. Irgendwo zwischen „bedrohlich nahe“ und „zum Zerreissen gespannt“ vereinen sich dabei der ausgewogene, chorische Klang von Männerstimmen mit dem berührend direkten Klang der Drehleier, der von Matthias Loibner ins Geräuschhafte und in heutige elektronische Gefilde ausgereizt wird, zu einem erfrischend meditativen Strom. Als Meditation im wahrsten Sinne des Wortes, nämlich sich in die Mitte des klingenden Wortes hineinbegeben auf allen Ebenen – intellektuell, emotional, rhetorisch – zu einer perfekten Verbindung von Wort und Klang, wird die greogorianische Gesangstradition seit über tausend Jahren täglich von Mönchen beinahe unverändert praktiziert und weitergegeben. Dem gegenüber erlebt die Drehleier, die vor rund 1000 Jahren auch einst als Kirchenmusikinstrument begann, seitdem eine ständige Veränderung durch verschiedene Kulturen und soziale Schichten, von der Volks-, Tanz, und Bettel- zur höfischen Leier und wird zum fast sinnbildlich weltlichen Instrument des einsamen fahrenden Sängers. (Contact)

 

„ALMA FULGENS CRUX“

eine musikalische Betrachtung des „Lebensbaumes“ mit Gregorianischen Gesängen und frühester Mehrstimmigkeit aus der Karolingerzeit bis zum Hochmittelalter

Die Nacht, die zum Tag wird; die Trauer, die sich in Jubel verwandelt; das Ende, in dem ein neuer Anfang steckt – alle diese Aspekte haben mit dem Paradoxon des Kreuzes zu tun, das thematisch im Mittelpunkt dieses Abends steht. Torheit und Siegeszeichen, Marterpfahl und Lebensbaum, letzlich ein „Skandal“ (griech. Skandalon) – all das kommt in den alten, musikalisch sehr abwechslungsreichen Gesängen zum Ausdruck.

 

„4 : 3“ ( in Zusammenarbeit mit Matthias Loibner, Drehleier)

eine musikalische Betrachtung des „Lebensbaumes“ mit Gregorianischen Gesängen und frühester Mehrstimmigkeit aus der Karolingerzeit bis zum Hochmittelalter

Wenn wir als moderne Menschen über das Kreuz – DAS Symbol des christlichen Glaubens – nachdenken, tauchen immer wieder einige fundamentale Fragen auf. Was hat es für einen Sinn, zu leiden? Warum gibt es den Tod, warum das Leben? Wenn wir uns den alten Gregorianischen Gesängen zuwenden, die zum Großteil noch vor der vorletzten Jahrtausendwende entstanden sind, sehen wir, dass sich die Menschen schon seit dem Kreuzestod Christi damit auseinandergesetzt haben.

 

“ESST FETTES UND TRINKET WEIN“

Alte jüdische und römische Feste des Monats September im Spiegel des Gregorianischen Chorals und mittelalterlicher Musik

Der siebte Monat – „September“ – des Römischen Kalenders deckt sich zum größten Teil mit dem siebten Monat des religiösen jüdischen Kalenders (Tischri), dem Monat mit den meisten und wichtigsten jüdischen Festen im ganzen Jahr. Man findet hier Feste, die im Keim unsere abendländische (im Sinne von jüdisch-römische) Feierkultur begründen, indem ursprünglich heidnische Kulte im Lichte der Religion einen neuen Sinn bekommen. So wird das zunächst rein landwirtschaftlich begangene Erntedankfest für die Weinlese in Verbindung mit der Wüstenwanderung des Volkes Israel nach dem Auszug aus Ägypten gebracht (Laubhüttenfest) oder mit der Spendung der Priester- und Diakonenweihe (September-Quatember). Diese Feierkultur beinhaltet immer auch eine Vorbereitungszeit, die man als Fasttage begeht – nur so kann man nicht nur intellektuell, sondern „am eigenen Leib“ erfahren, welch tieferer Sinn hinter einem vielleicht ausgelassen begangenem Fest steckt, v.a. wenn man es ganz ausdrücklich zusammen mit den Armen und Ausgestoßenen begeht. Gerade in den Gesängen der uralten, genuin römischen Quatemberliturgien kristallisieren sich diese vielfältigen, für uns heutige Menschen im ersten Moment nicht ganz durchschaubaren historischen und inhaltlichen Bezüge immer wieder heraus. Gerade die ganz aus dem Wort hervorgehende Musik vermag es in ihrer abwechslungsreichen Sinnlichkeit ganz zentrale spirituelle Inhalte zumindest für Augenblicke nahezu leibhaftig erlebbar zu machen.

“DUM MEDIUM SILENTIUM“

Die Stille als Tor zum Hören

„Als tiefes Schweigen das All umfing und die Nacht bis zur Mitte gelangt war, da stieg dein allmächtiges Wort, Herr, vom Himmel herab, vom königlichen Thron.“ (Buch der Weisheit)
Oberflächlich betrachtet ist Musik – rein physikalisch gesehen das Vorhandensein von Schallwellen – das Gegenteil von Stille. Andererseits entfaltet Musik, ähnlich wie das Gebet, erst ihre volle Wirkung aus der Stille, aus der Ruhe heraus und ermöglicht, sich ohne Ablenkung auf das Wesentliche zu konzentrieren. Der Advent, die sogenannte stillste Zeit im Jahr, wird inzwischen allzuoft als Zeit eines erhöhten Geräuschpegels und der Lärmverschmutzung wahrgenommen. Der Gregorianische Choral ist in besonderer Weise geeignet, unsere Ohren wieder für die Stille zu öffnen, um schlussendlich Raum zu geben für das Wort, das vom Himmel herkommt und allzu leicht überhört wird. Die schlichte Schönheit des einstimmigen Gregorianischen Chorals wird in diesem Konzert sparsam mit frühen mehrstimmigen Gesängen ergänzt, sodass das Hören eines Zusammenklangs von Stimmen wieder zu einem ganz neuen, bewegenden Ereignis wird.

 

“DOMINUS ILLUMINATIO MEA“

Eine akustische Suche nach Licht mit Gregorianischen Gesängen und früher Mehrstimmigkeit

Licht und Erleuchtung sind zentrale Begriffe der Liturgie, um die sich auch zahlreiche gregorianische Gesänge ranken. Sie erzählen von der Sehnsucht nach dem Licht, von der Erfahrung von Finsternis im Leben und vom Hell-Werden, das aus der Gottesbegegnung wachsen kann. Die Gesänge zeigen Gottsucher, die sich auf den Weg gemacht haben und von ihren Erfahrungen mit dem nahen und fernen Gott berichten.

 

“EMITTE SPIRITUM TUUM“

Vom Säuseln und Brausen des Geistes zwischen Himmelfahrt und Pfingsten

Der Heilige Geist – ja wenn man sich den nur vorstellen könnte! Ja, es gibt Bilder dafür – die sind wiederum so vielfältig (und manchmal widerspechen sie sich auch), dass sie eine konkrete Vorstellung des Geistes nicht immer erleichtern. Schlussendlich müssen wir uns -abseits vom theologisch-philosophischen Diskurs – wohl damit zufrieden geben, dass Geist eben Geist bleibt und sich unserer konkreten Vorstellungskraft entzieht.
In diesem Konzert konzentrieren wir uns auf einen, vielleicht den zentralen Begriff, den sich die Kirche vom Heiligen Geist macht. Es ist nicht die Taube, nicht das Wasser, auch nicht das Feuer – sondern das, was am besten im lateinischen Begriff „Spiritus“ (griech. „Pneuma“, hebr. „Ruach“) gefasst ist: es ist der Atem – sowohl der Lebenshauch des einzelnen (Lungenatmung, Tongebung = Stimme, Seele, Denken, Geist) als auch der Welt (Lufthauch, Wind in jeder Stärke, „Weltgeist“; das, was überall gleichzeitig sein und wieder verschwinden kann). Dieser Begriff ist natürlich einerseits naheliegend aufgrund der lateinischen Sprache, die den Gregorianischen Gesängen ganz zugeeignet ist; andererseits, weil gerade das Singen, das primär von der Atmung und der Stimme herkommt, einen besonderen „Draht“ hat zur Seele und aufgrund der Verwendung von Sprache auch die denkerischen Aspekte des Geistes mit einschließt. All das passiert im Gregorianischen Choral in einer idealen und vollendeten Weise.

 

 

 

“TOTA PULCHRA ES AMICA MEA“

Die Texte der dargebotenen Gesänge entstammen vorwiegend aus dem „Lied der Lieder“, dem Hohelied. Es besingt die Liebe zwischen Mann und Frau, die sich verbinden, sich verlieren, sich suchen und finden. Es ist ein besonderer Reichtum dieses König Salomo zugeschriebenen biblischen Buches, dass es verschiedene Deutungsebenen miteinander verbindet. Einerseits war es ursprünglich wohl wirklich für eine israelitische Hochzeitsfeier gedacht. Darüber hinaus wird aber die Liebe zwischen Mann und Frau als schönstes und greifbarstes Abbild der Liebe Gottes zu seinem Volk verstanden. Die verwendeten Bilder der absoluten Schönheit und Makellosigkeit der Brautleute haben nichts mit der oft belächelten rosaroten Brille zu tun, sondern öffnen den Blick für die vollkommene Liebe Gottes zu seinem Volk. In einer dritten Deutungsebene lassen sich die Texte auch auf Maria, die Mutter – und auch Braut – Gottes hin lesen.

 

 

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